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Trinken Sie Früchtetee? Botanisch gesehen ist das eigentlich gar kein Tee

1. 5. 2026 6 Minuten Lesen
Fruchtmischungen aus Mango, Johannisbeeren oder Ananas stammen nicht von der Teepflanze und enthalten kein Koffein. Das ist aber keineswegs ein Nachteil – ganz im Gegenteil. Sie können sie bedenkenlos von Kindern, Schwangeren und allen getrunken werden, die bewusst auf Koffein verzichten möchten.

Aber zurück zum eigentlichen Tee. Sein Weg in die Welt dauerte Tausende von Jahren und führte in zwei ganz unterschiedliche Richtungen: einmal über Land entlang der Seidenstraße, einmal über den Seeweg durch Handels­häfen. Das Ergebnis sind zwei Wörter, die heute auf der ganzen Welt bekannt sind: „Tee“ und „tea“.

 

EigenschaftEchter TeeFruchtaufguss
Herkunft Teepflanze (Camellia sinensis) Obst, Kräuter, Blumen
Koffein ja nein
Geschmack von mild bis kräftig, manchmal herb von Natur aus süß, fruchtig
Vorbereitung mit heißem Wasser übergießen, ziehen lassen gleiche Vorbereitung
Ideal für den Abend eher nicht (wegen des Koffeins) ja
Für Kinder geeignet nur in begrenztem Umfang ja
Variabilität je nach Art der Verarbeitung der Teeblätter je nach Zusammensetzung der Mischung

 

Tausende Teesorten, aber nur eine Mutterpflanze

Wenn Sie in die Hügel an der Grenze zwischen Südwestchina, Myanmar und dem Nordosten Indiens reisen würden, würden Sie auf einen Strauch stoßen, von dem jeder echte Tee der Welt stammt. Er heißt Teepflanze (Camellia sinensis), und der chinesische Arzt Hua Tuo schrieb bereits im 3. Jahrhundert n. Chr. über ihren Genuss. Während der Tang-Dynastie, also etwa zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert, verbreitete sich der Tee von China aus nach Korea, Japan und Vietnam.

Im 16. Jahrhundert brachten portugiesische Händler und Seefahrer den Tee nach Europa, da sie ahnten, dass dieses aromatische Getränk dort großen Anklang finden würde. Und sie sollten recht behalten. Was aus der Teepflanze entsteht, hängt ausschließlich von der Verarbeitung der geernteten Blätter ab – genauer gesagt vom Grad der Oxidation, also dem Kontakt mit Sauerstoff.

Weißer Tee durchläuft die schonendste Verarbeitung von allen und hat daher einen besonders feinen Geschmack. Grüner Tee oxidiert überhaupt nicht, da die Blätter unmittelbar nach der Ernte erhitzt werden und so jede weitere Veränderung gestoppt wird. Oolong wird dagegen nur teilweise oxidiert – sein Geschmacksprofil bewegt sich irgendwo zwischen leicht blumig und vollmundig fruchtig.

Schwarzer Tee durchläuft eine vollständige Oxidation und erhält dadurch seine charakteristische dunkle Farbe sowie einen kräftigeren, volleren Geschmack. Und dann gibt es noch dunklen Tee wie Pu-Erh, der einer kontrollierten Fermentation unterzogen wird und mit zunehmendem Alter – ähnlich wie guter Wein – an Geschmack gewinnt.

Wie ist es möglich, dass aus einem einzigen Strauch so viele unterschiedliche Geschmacksrichtungen entstehen?

Tatsächlich steckt kein Zauber dahinter, sondern eine Kombination aus Natur und menschlicher Arbeit. Den Geschmack prägt stark, wo der Teestrauch wächst: Blätter aus kühleren Bergregionen, in denen der Strauch langsamer wächst, schmecken anders als solche aus tiefer gelegenen Gebieten. Auch Bodenbeschaffenheit, Feuchtigkeit, morgendlicher Nebel oder der Schatten umliegender Bäume machen einen Unterschied.

All das beeinflusst, wie aromatisch, zart oder intensiv die Blätter später schmecken werden. Am wichtigsten ist jedoch, was nach der Ernte geschieht. Die Teeblätter reagieren unterschiedlich lange mit der Luft – ähnlich wie ein aufgeschnittenes Apfelstück, das nach kurzer Zeit braun wird. Beim Tee handelt es sich um denselben Vorgang, der als Oxidation bezeichnet wird.

Je nachdem, wie lange dieser Prozess dauert und wann er durch Erhitzen gestoppt wird, entstehen die verschiedenen Teesorten. Wird er fast sofort unterbrochen, entsteht grüner Tee; lässt man ihn länger laufen, erhält man schwarzen Tee. Und dann gibt es noch Tees, die einen Schritt weitergehen und sich auch nach der Verarbeitung weiterentwickeln – wie zum Beispiel Pu-erh.

Getrocknete Früchte, Blüten und Kräuter

Früchtetee ist eine Mischung aus getrockneten Früchten, Blüten und gegebenenfalls Kräutern oder Gemüse, die mit heißem Wasser aufgegossen wird. Fachlich nennt man ein solches Getränk „Teeaufguss“ oder „Tisane“. Der Begriff „Tisane“ stammt aus dem Griechischen für Gerstenaufguss und bezeichnet heute jedes pflanzliche Getränk, das nicht aus dem Teepflanze (Camellia sinensis) gewonnen wird.

Im Englischen begegnet man manchmal auch dem Begriff herbal infusion. Es handelt sich um dasselbe, nur in anderer Form. Aufgüsse aus Kräutern und Früchten tranken die Menschen sogar schon lange, bevor der „echte“ Tee weltweit verbreitet wurde. Wie sieht eine solche Mischung in der Praxis aus?

Zum Beispiel Preiselbeeren mit Sanddorn kombiniert Apfel, Hibiskus, Karotte, Orangenschale, Preiselbeeren, Sanddorn, Himbeeren und Rosenblüten. Lied der Karibik ist dagegen ein Früchtetee aus Ananas, Mango, Papaya und Äpfeln, der mit seinem Duft und der goldfarbenen Tönung eher an einen tropischen Urlaub als an eine Tasse Tee erinnert.

Warum nennen wir es dann trotzdem Tee?

Die Antwort ist ziemlich einfach. Die Zubereitung eines Früchtetees ähnelt fast der eines echten Tees. Man übergießt die Mischung mit kochendem Wasser und lässt sie einige Minuten ziehen. Dasselbe Gefäß und derselbe Ablauf werden verwendet. Daher hat sich die Bezeichnung „Tee“ unter den Menschen nach und nach durchgesetzt und wird heute ganz selbstverständlich verwendet.

Interessant ist dabei, dass selbst das Wort „Tee“ zwei Gesichter hat, die beide in China wurzeln. Je nachdem, welchen Weg der Tee genommen hat, bekam er seinen Namen. Die Länder, in die er auf dem Seeweg gelangte, übernahmen meist die Variante „tea“, auf Deutsch „Tee“, auf Französisch „thé“, auf Spanisch „té“.

Diese Aussprache stammt aus dem Fukian-Dialekt im Süden Chinas, wo Tee als „te“ ausgesprochen wurde. Von dort brachten ihn Händler per Schiff nach Europa, zunächst zu den Niederländern, die ihn als „thee“ übernahmen und weiter in die westliche Welt verbreiteten.

Der niederländische Einfluss auf die frühen europäischen Handelsrouten war so stark, dass die Variante „te“ ganz Westeuropa beherrschte und bis heute dort erhalten blieb. Die zweite Variante ist „čaj“ oder „chai“, was Tschechisch, Russisch, Arabisch, Hindi und Türkisch ist. Diese Version stammt aus dem Mandarin, wo Tee „chá“ ausgesprochen wird, und verbreitete sich über Landrouten entlang der Seidenstraße nach Persien und von dort weiter nach Westen und Osten.

Die eine Variante enthält Koffein, die andere nicht

Koffein gehört zum echten Tee einfach dazu. Schwarzer Tee enthält am meisten, grüner weniger und weißer Tee am wenigsten – ganz ohne bleibt jedoch keine Tasse. Genau er sorgt für die morgendliche Wachheit, wegen der Menschen Tee seit jeher zubereiten.

Neben Koffein enthält echter Tee auch kleine Mengen Theobromin und Theophyllin, weitere verwandte Stoffe, die den Körper leicht anregen. Fruchtaufgüsse hingegen sind von Natur aus koffeinfrei. Man kann sie daher jederzeit am Tag trinken, auch kurz vor dem Schlafengehen, ohne danach stundenlang an die Decke zu starren. Sie eignen sich deshalb auch für Schwangere und Kinder.

Zitrusversuchung oder Kindertraum sind teinfrei und zudem hibiskusfrei, sodass sie bedenkenlos bereits von Kindern ab einem Jahr getrunken werden können. Kindertraum enthält außerdem Apfel, Himbeeren, Erdbeeren, Karotten und rote Bete. Die Zutaten stammen aus Mitteleuropa, werden zum optimalen Reifezeitpunkt geerntet und so verarbeitet, dass sie das Maximum dessen bewahren, was die Natur ihnen mitgegeben hat.

Die Früchte in den Aufgüssen von Loser-Tee werden gefriergetrocknet, also bei sehr niedrigem Druck und Temperaturen getrocknet, wodurch bis zu 90 % der Nährstoffe sowie der volle natürliche Geschmack und das Aroma erhalten bleiben. Das Ergebnis ist ein Getränk, das bereits beim ersten Schluck durch seine frische und lebendige Note überrascht.

Fruchtaufguss ist vielseitig

Während echter Tee oft im Mittelpunkt von begeisterten Kennern und Verkostern steht, gewinnen Fruchtaufgüsse auf andere Weise Anhänger: vor allem durch ihre Zugänglichkeit, natürliche Süße und die Tatsache, dass sie wirklich jeder genießen kann – unabhängig vom Alter oder der Tageszeit.

Sie sind von Natur aus süß, ganz ohne Zuckerzusatz, was alle erfreut, die ein Getränk suchen, das nicht nachgesüßt werden muss und trotzdem nicht nur nach heißem Wasser schmeckt. Einzigartige Mango oder Vanillekuchen mit Stücken echter Vanille, Mandeln und Ananas sind Beispiele für Aufgüsse, deren Geschmack so intensiv ist, dass ein Löffel Honig nur ein angenehmes Extra, keinesfalls eine Notwendigkeit ist.

Fruchtaufgüsse sind zudem außergewöhnlich vielseitig. Im Sommer lassen sie sich mühelos zu erfrischendem Eistee zubereiten. Einfach mit kochendem Wasser übergießen, Eiswürfel hinzufügen und mit frischem Obst oder Minzblättern garnieren. Lied der Karibik als Eistee an einem heißen Julitag? Eine bessere Erfrischung werden Sie vergeblich suchen.

Im Winter hingegen wärmt eine Tasse Preiselbeeren mit Sanddorn oder Zitrusversuchung und erfüllt den ganzen Raum mit Duft.

Bei der Benennung kommt es nicht so sehr darauf an

Niemand wird Sie zwingen, Früchtetee umzubenennen. Nennen Sie ihn Tee, Aufguss oder Tisane – am Ende ist das wirklich nicht entscheidend. Wichtig ist, dass Sie darin sorgfältig ausgewählte Früchte, natürliche Zutaten und einen Geschmack finden, der Sie schon beim ersten Schluck begeistert.

Das Wort „Tee“ gehört zwar der Teepflanze, aber die Tasse gehört Ihnen. Füllen Sie sie also mit allem, was Ihnen schmeckt – sei es „Kindheitstraum“ für die ganze Familie, erfrischendes Zitrusversuchung oder duftender Vanillekuchen für ein gemütliches Nachmittagsstündchen mit einem Buch.

Beim Namen kommt es wirklich nicht so sehr an – entscheidend ist, was sich darin befindet.

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